Musik und Emotionen

Als einer der stärksten Auslöser von Emotionen gilt die Musik. Jedoch scheinen manche Patienten nach einem Schlaganfall nicht mehr in der Lage zu sein, Emotionen oder Freude beim Musikhören zu empfinden, obwohl sie noch Vergnügen an anderen Aktivitäten haben. Im Berliner Centrum Musikermedizin wird erforscht, inwieweit ein Schlaganfall die emotionale Reaktion auf Musik verändert und wie sich therapeutische Maßnahmen darauf einstellen müssen.

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Erworbene musikalische Anhedonie

Musik ist zu einem wichtigen Bestandteil von Rehabilitationsprogrammen, insbesondere für Schlaganfallpatienten geworden. Darüber hinaus kann Musik bei Patienten sowie Gesunden zum Erhalt und zur Verbesserung kognitiver sowie motorischer Leistungen beitragen, wofür wahrscheinlich die Ausschüttung von Dopamin im Belohnungszentrum des Gehirns verantwortlich ist.

Doch was, wenn man plötzlich nichts mehr beim Musikhören empfindet? Einige Patienten scheinen nach einem Schlaganfall nicht mehr in der Lage zu sein, Emotionen oder Freude beim Musikhören zu empfinden, obwohl sie noch Vergnügen an anderen Aktivitäten haben. Diese Störung wird musikalische Anhedonie genannt. Die starke emotionale Kraft von Musik hat auf Menschen mit musikalischer Anhedonie keine Wirkung – vielmehr scheint Musik wie eine bloße Aneinanderreihung von Tönen, die sie emotional nicht berührt, zu sein. Musikalische Anhedonie kann angeboren sein oder in Folge von Hirnschädigung auftreten. Bisher gibt es allerdings nur wenige Fallstudien, die von einer erworbenen musikalischen Anhedonie berichten. Möglicherweise findet das Defizit in der Akutphase noch keine oder wenig Beachtung, da Patienten sowie behandelnde Ärzte nicht ausreichend für eine solche Störung sensibilisiert sind. Im Verlauf und vor allem im chronischen Stadium kann sich eine erworbene musikalische Anhedonie allerdings als relevante Einschränkung der Lebensqualität erweisen.

Bisherige Forschungsergebnisse sprechen für eine besondere Rolle des temporo-parietalen Kortex sowie einer beeinträchtigten Konnektivität temporaler Hirnregionen mit dem Belohnungszentrum im Gehirn bei der emotionalen Verarbeitung von Musik. Jedoch gibt es weder exakte Angaben über die Prävalenz, noch die Ursachen oder den Verlauf von erworbener musikalischer Anhedonie.

Deshalb möchten wir herausfinden, wie ein Schlaganfall die emotionale Reaktion von Patienten auf Musik verändert und ob Patienten mit temporalen Hirnschädigungen vermehrt an musikalischer Anhedonie leiden. Des Weiteren soll die Studie zum besseren Verständnis von erworbener musikalischer Anhedonie beitragen und dafür verantwortliche Hirnregionen kenntlich machen.

Zur Untersuchung dieser Frage sollen die emotionalen Reaktionen von chronischen Schlaganfallpatienten anhand eines computerbasierten Experiments untersucht werden und deren Ergebnisse mit denen von gesunden Kontrollprobanden verglichen werden. Um ein objektives Maß für die emotionale Reaktion zu erhalten, sollen zudem Hautwiderstands- und Herzratenveränderungen gemessen werden während die Teilnehmer verschiedenen musikalischen Stimuli exponiert werden. Die Ergebnisse der Studie können die Häufigkeit von erworbener musikalischer Anhedonie bei Schlaganfallpatienten identifizieren und Unterschiede in der Sensibilität für verschiedene musikalische Emotionen aufzeigen.

Die Studie erfolgt in Kooperation des Centrums für Musikermedizin Berlin, der Klinik für Neurologie der Charité Universitätsmedizin Berlin und des Centrums für Schlaganfall-Forschung Berlin.

Projektleitung: Prof. Dr. med Christoph Ploner (Klinik für Neurologie), Prof. Dr. med Alexander Schmidt
Projektdurchführung: Sara Holm, M.A.