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Pressemitteilung

25.01.2018

Fördern westliche Gesellschaften die Ausprägung von Narzissmus?

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Wie Wissenschaftler der CharitéUniversitätsmedizin Berlin zeigen konnten, weisen Menschen, die in den alten Bundesländern Deutschlands aufgewachsen sind, höhere Narzissmus-Werte auf als Menschen, die in den neuen Ländern sozialisiert wurden. Während zwischen 1949 und 1989/90 der Westen der Republik von einer eher individualistischen Kultur bestimmt war, bestand im Osten Deutschlands eine eher kollektivistische Ausrichtung. Niederschlag findet die jeweilige gesellschaftliche Prägung im Selbstwertgefühl der Menschen, aber auch in der Ausprägung des Persönlichkeitsmerkmals Narzissmus. In der jungen Generation gleichen sich die Werte seit der deutschen Einheit an, wie in der Fachzeitschrift PLOS ONE* veröffentlicht ist.

Narzissmus bezeichnet eine übersteigerte Selbstliebe und Ichbezogenheit. Zu einem Krankheitsbild wird das Phänomen dann, wenn die betroffene Person unter den Auswirkungen leidet und Symptome einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung entwickelt. Wie Wissenschaftler um Prof. Dr. Stefan Röpke und Dr. Aline Vater von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Campus Benjamin Franklin nun zeigen konnten, hat das gesamtgesellschaftliche Umfeld Auswirkungen auf das Entstehen einer übermäßigen Selbstüberschätzung. „Moderne westliche Gesellschaften fördern die Ausprägung von Narzissmus. So weisen Menschen, die in den Bundesländern westlich der innerdeutschen Grenze aufgewachsen sind, höhere Narzissmus-Werte auf als Menschen, die eine Erziehung in der ehemaligen DDR erlebt haben“, erklärt Prof. Röpke. „Gezeigt hat sich dies in unserer Studie vorrangig für den sogenannten grandiosen Narzissmus, der durch starke Selbstüberschätzung gekennzeichnet ist“, stellt der Wissenschaftler fest.

Ein genau gegenteiliges Bild zeigt sich hinsichtlich des Selbstwertgefühls. Dieses ist im Osten des Landes höher ausgeprägt als im Westen. Für ihre aktuelle Untersuchung haben die Forscher Daten aus einer anonymen Internetumfrage in der deutschen Bevölkerung herangezogen. Mehr als eintausend Personen beantworteten einen Fragenkatalog, wobei knapp 350 von ihnen in der ehemaligen DDR geboren waren und etwa 680 Studienteilnehmer in der alten Bundesrepublik aufgewachsen sind. Unterschieden wurde bei der Auswertung in subklinischen, unterschwelligen Narzissmus, der zur Persönlichkeit gehört und oft als gesunder Narzissmus bezeichnet wird. Daneben gibt es die pathologische Selbstüberschätzung, die über das gesunde Maß hinausgeht. Der Selbstwert der befragten Personen ist anhand einer in der Forschung etablierten Selbstwertskala ermittelt worden.

Unterschwelligem wie auch krankhaftem Narzissmus liegt in der Regel ein geringes Selbstwertgefühl zugrunde. Daher haben die Berliner Wissenschaftler die Ausprägung von Narzissmus und Selbstwert in der deutschen Bevölkerung verglichen. Sie konnten dabei einen klaren Alterskohorten-Effekt ausmachen: „Keinen Unterschied sehen wir in der jungen Generation, die zum Zeitpunkt des Mauerfalls noch nicht geboren oder noch nicht in der Schule war und somit unter gleichen westlichen Bedingungen aufgewachsen ist. Hier sind Narzissmus und Selbstwert in Ost und West gleich ausgeprägt“, konstatiert Dr. Vater, Erstautorin der aktuellen Studie. Der deutlichste Effekt lässt sich in der Generation beobachten, die zum Zeitpunkt des Mauerfalls sechs bis 18 Jahre alt war, also im Alter des Schuleintritts bis hin zur Volljährigkeit. In der ältesten Kohorte, 19 Jahre und älter zum Zeitpunkt des Mauerfalls, war ein Unterschied zumindest noch für den subklinischen, also unterschwelligen, Narzissmus zu finden. „Insgesamt sprechen die Ergebnisse der Untersuchung dafür, dass gesellschaftliche Faktoren die Ausprägung von Narzissmus und Selbstwert beeinflussen. Westliche Gesellschaften scheinen erhöhte Narzissmus-Werte in der Bevölkerung zu fördern“, schließt Prof. Röpke.

*Aline Vater, Steffen Moritz, Stefan Roepke. Does a narcissism epidemic exist in modern western societies? Comparing subclinical narcissism, pathological narcissism, and self-esteem in East and West Germany. PLOS ONE. 2018 Jan. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0188287

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Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie

Kontakt

Prof. Dr. Stefan Röpke
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
CharitéUniversitätsmedizin Berlin
Campus Benjamin Franklin
t: +49 30 450 517 545



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